Streuobstwiese Weimersheim

Der Erhalt der Kulturlandschaft um Weißenburg ist eines der ausgewiesenen Ziele unserer Gruppe, dem wir uns nicht nur theoretisch sondern auch in praktischer Weise widmen.

Um einen aktiven Beitrag zur Bewahrung der für unsere Region landschaftsprägenden Streuobstwiesen und mit ihnen alter, vom Aussterben bedrohter Obstsorten zu leisten, haben wir im April 2012 die Betreuung einer Fläche an der Sophienhöhe bei Weimersheim übernommen. Mit den über 20 alten Apfel- und Birnbäumen sowie der artenreichen Hecke, die sich bereits auf der Wiese befanden,  war ein solider Grundstein für unser Projekt „Erhalt und Vermehrung alter Apfel- und Birnensorten aus der Region“ gelegt. Mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken (LPV) und dem Pomologen Wolfgang Subal, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen, konnten wir kompetente Ansprechpartner für unser Projekt gewinnen.

Ein wichtiger Schritt zur Umsetzung unseres Projekts „Erhalt und Vermehrung historischer Obstsorten“ war die Zusicherung von Zuschüssen und aktiver Unterstützung durch den Landschaftspflegeverband Mittelfranken. Mit der symbolischen Übergabe eines Spatens aus den Händen unseres Bundestagsabgeordneten Josef Göppel, von Landrat Gerhard Wägemann und Klaus Fackler als Vertreter des LPV begann am 12. Mai 2012 offiziell die Kooperation mit dem LPV.

Wichtigstes Ziel neben der Pflege des Altbestandes ist die Anpflanzung  nachgezogener Bäume seltener Sorten, die oft nur noch in der traditionsreichen Obstanbauregion des Altmühlgrundes rund um Weimersheim und Berolzheim erhalten sind. Im Herbst 2012 standen uns erstmals Jungbäume zur Pflanzung zur Verfügung, die von einer auf Veredelung alter Sorten spezialisierten Baumschule gezogen worden waren. Wie wichtig solche Aktionen sind, zeigt sich unter anderem daran, dass einige der Obstbäume, von denen die Edelreiser geschnitten worden waren, in der Zwischenzeit gefällt wurden und somit ohne entsprechende Rettungsmaßnahmen unwiederbringlich verschwunden wären.

Video mit freundlicher Genehmigung durch den BR/ Frankenschau

In einem Beitrag der „Frankenschau“ des Bayerischen Fernsehens wurden die Bemühungen unserer Gruppe einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt (Ausschnitt aus der Sendung vom 6. Mai 2012 siehe links).

 

 

Für den Erhalt des auf zahlreichen Streuobstwiesen vorhandenen wervollen Bestandes ist ein regelmäßiger, fachgerechter Schnitt von großer Bedeutung. Um diese Maßnahme  zu demonstrieren und aktiv in der Praxis umzusetzen, organisierten wir im März 2013 einen ersten Schnittkurs für Altbäume auf unserer Wiese. Mit dabei waren als Instruktoren und tatkräftige Helfer Klaus Fackler  sowie der Landschaftsgärtner Werner Kojan. Da der Altbaumbestand auf unserer Streuobstwiese seit vielen Jahren nicht mehr gepflegt worden war, war in vielen Fällen ein beherzter Rückschnitt notwendig. Mit dem von unseren Mitgliedern unter professioneller Anleitung durchgeführten Auslichtungs- und Verjüngungsschnitt haben wir die Grundlage geschaffen, dass die Bäume frisches Fruchtholz bildeten und damit auch in der Zukunft guten Ertrag bringen. Eine erneute “Grundpflege” unserer zum Teil bereits sehr betagten Baumvetranen fand im Frühjahr 2019 statt.

Zweites, zentrales Anliegen unserer Verküpfung der Themen Kulturpflege und Landschaftspflege ist die Unterstützung der Vermehrung seltener Kernobstsorten und deren Erhalt in ihrer Ursprungsregion. Im Herbst 2012 wurden bei einer ersten Aktion 13 Jungbäume gesetzt. Gepflanzt wurden unter anderem die Apfelsorte „Fraas Sommerkalvill“, die Birnensorten „Englische Sommerbutterbirne“, „Römische Schmalzbirne“ und eine „Salzburger Birne“ sowie acht weitere, zum Teil unbekannte lokale Kernobstsorten u.a. aus Obermögersheim, Trommetsheim, Kattenhochstatt und natürlich aus Weimersheim.

 

 

 

 

 

Ein dritter und letzter Punkt, den wir mit unserem Streuobstprojekt zu vermitteln suchen, ist das Bewußtsein um die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der alten Kultursorten zu erhalten und die Kenntnis darum weiterzugeben. Während in früheren Zeiten den verschiedenen Sorten klare Verwendungszwecke zugeordnet waren, ist dieses Wissen heute weitgehend verschwunden. Neben Tafelobst, das zum baldigen Verzehr geeignet war, gab es Lagerobst, Mostobst, Backobst, Dörrobst sowie Obst, das besonders zum “Brennen”- also der Herstellung von Schnäpsen- geeignet war. Um diese Vielfalt der alten Sorten und deren einzigartigen Geschmack und verschiedene Verwendungen unmittelbar vor Ort erleb- und “erschmeckbar” zu machen, organisierten wir im Herbst 2012 erstmals ein “Streuobstwiesenfest“. Neben zahlreichen Vereinsmitgliedern kamen auch viele Gäste zu dieser Informationsveranstaltung. Nachdem in diesem Jahr beinahe alle Bäume Früchte getragen hatten, konnten wir in einer kleinen Sortenschau- nicht ganz ohne Stolz- den großen Sortenreichtum der Bäume, die sich auf der von uns betreuten Fläche befinden, präsentieren, erläutern und natürlich auch zum Probieren geben. Unterschiedliche Kuchen unter Verwendung von hier geernteten Früchten waren ebenso im Angebot wie frisch gepresste Säfte. Besonderen Anklang fand auch das Angebot von Wolfgang Subal einer Sortenbestimmung für mitgebrachtes Obst. Auch der Landschaftspflegeverband Mittelfranken e.V. war in Person von Klaus Fackler präsent. Er betonte ebenfalls, wie notwendig die Neupflanzung und damit die Sicherung von regionalen Obstsorten sind. Modesorten, so Fackler, könne man auch im Supermarkt kaufen. Die alten Sorten hingegen sind standorterprobt und geschmacklich den rein auf Ertrag gezüchteten Sorten mehr als ebenbürtig.

In einer zweiten, großen Pflanzaktion wurden im Herbst 2016 noch einmal 15 Jungbäume gepflanzt, darunter seltene Sorten wie der “Braune Matapfel”, die “Gelbgraue Rosenbirne”, der “Bamberger Blauapfel” und die “Sommerapothekerbirne”. Zum offiziellen Abschluss der Kooperation und der Unterstützung durch den LPV wurden die neugepflanzten Bäume 2018 mit Sortenschildern versehen und am Rand der Wiese zwei Hinweistafeln aufgestellt.

Bilder der letzten Pflanzaktion vom 23. März 2019. Weitere sieben Bäume wurden gepflanzt, darunter die Nachzucht von einem der vier Bäume die 2012 kurz nach der Pflanzung gestohlen wurden, die eines Altbaums von unserer Wiese, der 2013 vom Sturm geknickt wurde sowie der “Wahren kleinen Sussbirne“, die in der Fachliteratur wegen ihres Hautverbreitungsgebiets auch als “fränkische Nationalfrucht” bezeichnet wird.

Nach diesem zumindest vorübergehenden Abschluss unserer Pflanzaktivitäten befinden sich insgesamt 50 Bäume auf unserer Streuobstwiese, 30 unterschiedliche Apfel- und 16 Birnensorten. Neu gepflanzt haben wir zwischen 2012 und 2019 alles in allem 29 Bäume, davon 17 alte Apfel- und 12 Birnensorten. Hoffen wir, dass sich auch in den nachfolgenden Generationen aktive Menschen finden, die Freude an der Sortenvielfalt haben, die die Früchte unserer Arbeit genießen können und zu schätzen wissen.