Mautterer Klavier

Über eine Anfrage des „Historisch-technischen Museums“ in Sömmerda erfuhr unser Mitglied, Stadtarchivar Reiner Kammerl, im Jahr 2009 das erste Mal von der Existenz eines Tafelklaviers aus der Werkstatt des Weißenburger Klavierbauers Friedrich Mautterer. Nach seiner Entstehung um 1850 landete das Instrument über verschiedene Zwischenstationen in der Abteilung  „Bürgerliches Wohnen in der Mitte des 19. Jahrhunderts“ des Thüringer Museum, wo es reinen Dekorationszwecken diente. Nachdem dort Ende des Jahres 2014 der Entschluss gefasst wurde,  das Klavier im Zuge einer Neukonzeption der Sammlung abzugeben, eröffnete sich für uns die Möglichkeit, das historische Instrument zu erwerben.

Zwei wesentliche Gründe standen hinter dem Entschluss, das Hammerklavier nicht nur an den Ort seiner Entstehung zurück zu holen, sondern dieses auch wieder in einen Zustand zu versetzen, der einen Einsatz bei Konzerten ermöglicht: zum einen stellt das  Musikinstument mit seiner dekorativen Erscheinung ein bedeutendes Stück Stadtgeschichte dar. Ist doch neben der Instrumenten Manufaktur Mautterer kein entsprechender Handwerksbetrieb für Weißenburg bekannt. Zum anderen schließt das Tafelkalvier eine Lücke in der Reihe der in der Stadt verfügbaren Tasteninstrumente, die bei Konzertveranstaltungen eigesetzt werden können. Mit seinem ganz besonderen Klang sind wir noch besser als bisher in der Lage, Musik aus der Zeit des 18. und 19.Jahrhunderts mit einem Instrument, das in dieser Epoche gebaut wurde in “historisch informierten” Originalklang-Konzerten anzubieten.

Dank der großzügigen Unterstützung der in der Region ansässigen Stiftungen (Sparkassen Kulturstiftung, Christine-und-Wilhelm-Hirschmann-Stiftung, Hermann-Gutmann-Stiftung,  Ossberger-Stiftung) ging das Tafelklavier im November 2015 in den Besitz unserer Gruppe über. Nach fachgerechter Restaurierung durch die renommierte Firma „J. C. Neupert. Werkstätten für historische Tasteninstrumente“ in Bamberg konnten wir das Instrument im Rahmen einer feierlichen Soiree am 23. November 2016 im Söller des alten Rathauses unseren Mitgliedern, den Sponsoren und geladenen Gästen präsentieren.

 Der Instrumentenbauer Christan Friedrich Mautterer  

Mautterer (*1813 in Weißenburg, †1881 in Weißenburg) entstammte einer eingesessenen Weißenburger Metzgerdynastie, die sich nach den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs in Weißenburg angesiedelt hatte. Nach dem frühen Tod seines Vaters erlernte Mautterer das Schreinerhandwerk. Mit Abschluss der Lehrtätigkeit begab er sich auf Wanderschaft und verbrachte die nächsten 11 Jahre in London. Dort arbeitete er nach eigenen Worten neben seinem „eigentlichen Gewerbe als Schreiner auch als Instrumentenbauer“. Details zum Aufenthalt in London ließen sich nicht recherchieren. Bauliche Ähnlichkeiten eines weiteren Instruments aus der Werkstätte Mautterers lassen eventuell auf eine Ausbildung in der Manufaktur George Gange & Co. schließen. 1842 kehrte Mautterer nach Weißenburg zurück und lies sich mit eigener Werkstatt in einem „bewohnbaren Gartenhaus“ (ehemaliges Gebäude Eichstätterstrasse 4, 2018 abgerissen) nieder, das er 1871 um- und ausbaute. Von dort aus versorgte er Weißenburg und Umgebung mit Klavier-Modellen der neuesten Bauart. Nach dem Tod Mautterers führte sein Schwiegersohn Karl Wenz den Betrieb fort.

Neben dem „Frankenbund-Klavier“ sind heute lediglich zwei weitere Instrumente aus der Produktion Friedrich Mautterers bekannt: sogenannte „Upright Pianos“, Vorläufer der heute gebräuchlichen Klaviere. Eines davon befindet sich in desolatem Zustand im Depot des Weißenburger Museums, das andere renoviert in der Musikhistorischen Sammlung Jehle im Stauffenberg Schloss/ Albstadt-Lautlingen.

Seit der Vorstellung 2016 präsentieren wir das Klavier regelmäßig in Konzerten. Besonderes Augenmerk legen wir bei der Programmauswahl auf die Präsentation selten gehörter Kompositionen von in Vergessenheit geratenen musikalischen „Kleinmeistern“ mit Lokalbezug. Bisher kamen unter anderem zu Gehör Werke von Andreas Ehrenfried Forstmeyer (* 1732 in Weißenburg), Christoph Winkelmeier (*1787 in Weißenburg), Jakob Strunz (*1781 in Pappenheim), Johannes Dürrner (*1810 in Ansbach) u.a.

Technische Daten

Höhe (ohne Fuß) 33,4 cm, Korpus Nußbaum poliert, Innenzarge Ahorn, 6 Oktaven + Quarte C1 – a4 , Untertasten mit Beinbelag, Obertastenklötzchen schwarz gebeizt und mit Ebenholz belegt, Stichmaß (Vergleichmaß für Klaviaturgröße und Tastenbreite, umfasst drei Oktaven im Mittelbereich der Klaviatur) 48,8 cm, 1-pedalige Lyra (Forte)

Bilder: Fa. J. C. Neupert, Bamberg

Bisherige Konzerte

März 2017:  „Ein Klavier kehrt heim“. Musik fränkischer Komponisten mit Corinna Schreiter (Sopran), Bernward Lohr (Tafelklavier), Markus Meyers (Cello)
Oktober 2017: „Paul Sturm spielt und erläutert Klaviermusik von Franz Schubert“
November 2018: „Musikalische Soirée“ mit Musik von Komponisten aus Weißenburg und Umgebung. Natalija Franceva (Violine), Paul Sturm (Tafelklavier)
Mai 2019 (geplant): Musikalische Umrahmung der Ausstellungs- Eröffnung „Plakatsammlung Egon Schmid“ Paul Sturm (Tafelklavier), NN (Tenor)

Hörbeispiele

Romance von Camille Saint Saens (Opus 36)

The Triumph of Love - Des Lebens Schoenstes von J. Dürrner/ Text H. Weiser (Opus 16, V [1848])

Livemitschnitt des Konzerts am 4. März 2017
Sopran: Corinna Schreiter
Tafelklavier: Bernward Lohr
Cello: Markus Mayers